Volksgarten als neue Heimat für monumentale Pferdeskulptur
Die Skulptur
Der Name ist auf das Streitross von Alexander dem Großen (356 – 323 v.Chr.) zurückzuführen. Ursprünglich sollte „Bukephalos“ für einen privaten Skulpturenpark entstehen und mit einem Reiter versehen werden, was wegen des Ablebens der Ideengeberin verworfen wurde. So wurde aus dem Auftrag eines der größten Projekte zeitgenössischer Skulptur in Österreich in jüngster Vergangenheit: Das Bronzewerk wurde 2016 ohne Reiter und samt Unterbau aus Wurzeln und Verästelungen bei Otto Strehle in Bayern gegossen. Wegen der Größe war die Errichtung einer eigenen Halle nötig.
2017 war „Bukephalos“ am Michaelerplatz vor der Wiener Hofburg anlässlich der „Fête Impériale“ (Sommerball) der Spanischen Hofreitschule erstmals öffentlich zu sehen. Bis 2018 zierte das Kunstwerk dann die Alte Residenz in Salzburg. Eine Präsentation auf der Weltausstellung Expo 2020 in Dubai (VAE) kam aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht zustande, wohl aber ein fünfmonatiges Gastspiel im Einkaufszentrum „Plus City“ in Pasching. 2025 stand „Bukephalos“ wieder in Wien vor dem Schloss Schönbrunn anlässlich des internationalen Springreitturniers „Global Champions Tour“.
Auf Initiative von Bürgermeister Dr. Andreas Rabl thront der stattliche Bronzehengst nun zeitgerecht vor der Messe „Pferd Wels“ 2026 im Volksgarten Neu. Dort wird „Bukephalos“ auch während der OÖ Landesgartenschau „Stadt der Gärten“ 2027 verweilen und sicherlich viele bewundernde Blicke auf sich ziehen. Künstler Andjé Pietrzyk sagt über sein Kunstwerk im O-Ton Folgendes:
- „Was mich fasziniert, ist die Symbiose aus Kultur und Natur, aus Mimesis und Poiesis. Ich komme aus der Tradition der Monumentalbildhauerei. Mir geht es auch darum, schier Unmögliches möglich zu machen, Handwerk und Hirnwerk, Technik und Schönheit zu verschmelzen.“
- „Wer mein Pferd achtsam wahrnimmt, spürt vielleicht seine eigene Lebendigkeit und seine innere Verwurzelung. Das Monument ist ein emotionales und mentales Trampolin für ein freieres Denken und Fühlen.“
- „Das Pferd hat immer – dafür gibt es unzählige Beispiele aus der Geschichte – den Helden gedient. Jetzt ist es Symbol heldenhaften Tuns. Es steht für die Mühen und Anstrengungen, es strahlt Werte wie Toleranz, Kraft, Schönheit aus. Das Pferd bringt aber auch die Urkraft unserer Zivilisationsgeschichte auf die Bühne. Erst das Pferd machte Mobilität möglich.“
Der Künstler
Andjé Pietrzyk (Infos: www.art-andje.at) sieht sich als Universalkünstler. Seine Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen bilden sowohl eine untrennbare Einheit als auch eine auf dreidimensionalen Prinzipien basierende Kombination, die sich zudem gegenseitig ergänzt.
1959 in Polen geboren, studierte Pietrzyk zunächst Kunst in seiner Heimat, bevor er an der Ilja-Repin-Kunstakademie in St. Petersburg (damals Leningrad) unter anderem sechs Jahre Monumentalbildhauerei studierte. Bereits in dieser frühen Phase war er ein universeller, kreativer Künstler. Es folgten ein Hochbegabtenstipendium an der École des Beaux-Arts in Paris und ein Umzug nach Berlin, wo er zwischen 1999 und 2002 lebte. In Wels hat er bereits 1995 in der Galerie Forum ausgestellt.
Seit 1991 hat sich Linz in Österreich allmählich zu seinem Lebensmittelpunkt entwickelt. Von dort aus bereist Pietrzyk die Welt: Zu den Biennalen in Venedig und Istanbul, zur Art Basel und nach Miami, wo er seine Liebe zu iPad-Zeichnungen entdeckte. Doch auch dort entwickelte er Skulpturen und arbeitete an zahlreichen Gemälden. Infolgedessen lebt und arbeitet der Künstler seit 2014 im Winter in Miami. 2016 begann er zudem, New York zeitweise als Arbeitsstandort zu nutzen.
Das Pferd und Wels
Als Stadt mit landwirtschaftlich geprägtem Umfeld hat Wels seit jeher eine enge Beziehung zum Pferd als Reit- und Zugtier. Aus der Zeit des römischen Ovilava stammt etwa die älteste derzeit bekannte dreidimensionale Welser Pferdedarstellung: Die Reste einer Reiterstatue – die wie „Bukephalos“ aus Bronze gefertigt ist und vermutlich Kaiser Caracalla (188 – 271 n.Chr.) darstellt – sind im Stadtmuseum in der archäologischen Sammlung in den Minoriten (Minoritenplatz 4) zu sehen.
Jahrhundertelang zogen die Traunreiter die Gegenzüge der Transportschiffe flussaufwärts zum Traunsee und verloren erst durch die Fertigstellung der Pferdeeisenbahn bis Gmunden 1836 ihre Bedeutung. Deren Strecke führte über die Maxlhaid (wo sich heute das Museum „Bahnzeit“ befindet) zum Personenbahnhof am östlichen Ende des Kaiser-Josef-Platzes und durch das Haus Bahnhofstraße 6 über den Platz Richtung Lambach. 1855 wurden die Pferde durch Lokomotiven ersetzt.
Fast 70 Jahre prägten zwei Kavalleriekasernen das Stadtbild: Nämlich ab 1856 die Dragonerkaserne und ab 1892 die Ulanenkaserne. Prominente Dragoner waren etwa Erzherzog Franz Salvator von Österreich-Toskana (Schwiegersohn Kaiser Franz Josephs I., der 1890 bis 1897 mit seiner Frau Marie Valerie im Schloss Lichtenegg lebte) und Alois Podhajsky. Der damalige Leiter der Spanischen Hofreitschule war in Wels aufgewachsen und nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich für die Unterbringung der berühmten Lipizzanerhengste von 1946 bis 1955 in der Dragonerkaserne verantwortlich.
Pferderennen fanden erstmals im 19. Jahrhundert am heutigen Flugplatzgelände statt, dann am Volksfestgelände. 1892 wurde der Welser Trabrennverein gegründet, die Trabrennbahn fand ihre bis heute bestehende Heimstätte 1974 im Westen des Messegeländes. Dort wiederum findet seit 1991 jährlich die eingangs erwähnte Messe „Pferd Wels“ (Infos: www.pferd-wels.at) statt. Diese knüpft an die seit 200 Jahren bestehende Tradition der Welser Pferdemärkte an.
Baustellenverlauf
Der Traunradweg R4 (Rad- und Gehweg zwischen Welldorado und Alter Traunbrücke) ist nun – wie berichtet vorerst als gemeinsamer Geh- und Radweg auf dem künftigen Gehweg – wieder befahrbar. Ab Juli kann dann der neue, baulich getrennte Geh- und Radweg benutzt werden. Für die kommenden Wochen sind – so die Witterung mitspielt – unter anderem folgende Arbeitsschritte vorgesehen:
- Pflasterungsarbeiten Traunuferplatz und nahe Welios, ökologische Flächenbefestigung auf Basis eines Kunststoff-Rasengitters bei Rampe zum Traunstrand
- Montage Unterflurhydranten und Anschluss Sanitärcontainer
- Montage Beleuchtung und Verteilereinbau Stromhaus
- Herstellung Gartenbau (nach Asphaltierung), Oberboden kommt von Trabrennbahn
- Fertigstellung Geländer, Lieferung und Montage Pergolen
- Fertigstellung Spielgeräte mit Ausnahme Bachlauf/Wasserspielplatz
- Einhängung Zaunfelder, Lieferung und Montage Bänke
- Lieferung und Aufstellen WC-Container
Unter wels.at/volksgarten sind aktuelle Informationen über das Projekt verfügbar. Zudem steht die Info-Hotline der Wels Marketing & Touristik GmbH unter Tel. +43 7242 677 22 55 oder per E-Mail unter volksgarten@wels.at zur Verfügung.
Zitate
Bürgermeister Dr. Andreas Rabl: „‚Wels reitet‘: Dieser Slogan gilt bei uns schon seit der Römerzeit. Umso mehr freut es mich, dass Bronzehengst ‚Bukephalos‘ nun zeitgerecht vor der diesjährigen Messe ‚Pferd Wels‘ im Volksgarten Neu aufgestellt wurde und auch während der Landesgartenschau ‚Stadt der Gärten‘ 2027 als Blickfang dienen wird. Danke an Künstler Andjé Pietrzyk für das Meisterwerk!“
Vizebürgermeisterin Christa Raggl-Mühlberger (Innenstadt und Kultur): „Mit ‚Bukephalos‘ erhält der Volksgarten Neu einen kraftvollen kulturellen Blickfang, der Kunst, Geschichte und Natur auf besondere Weise verbindet. Die Skulptur fügt sich nicht nur eindrucksvoll in den neu gestalteten Park ein, sondern knüpft auch an die lange Pferdetradition unserer Stadt an. Gerade im Zusammenspiel mit der Messe ‚Pferd Wels‘ und der Landesgartenschau ‚Stadt der Gärten‘ 2027 wird dieser Ort zu einem lebendigen Treffpunkt für Kunst- und Naturliebhaber.“
Künstler Andjé Pietrzyk: „Bukephalos, mein bisher komplexestes Werk, das ich für die erste Ausstellung 2017 in Wien direkt vor der Spanischen Hofreitschule am Michaelerplatz fertigte, reitet nun nach Wels. Das goldene Siegerpferd, das auch gleichzeitig ein Denkmal für Alexander den Großen darstellt, steht für Mut, Freiheit, Überwindung unserer Vorurteile, auch gegenüber den Flüchtenden und Leidenden – dieser Mut ist wichtig, um die Zukunft zu gestalten. Ich freue mich, dass mein Werk der Öffentlichkeit im schönen Wels präsentiert wird.“
Bildtext Gruppenbild:
V.l. Messepräsident Dr. Peter Franzmayr, Bürgermeister Dr. Andreas Rabl, Künstler Andjé Pietrzyk und Vizebürgermeisterin Christa Raggl-Mühlberger.
Bildhinweise: Stadt Wels (bei Nennung Abdruck honorarfrei):